Baujahr 1802 und mitten im Leben

Mein altes Haus wurde schon in 1800 auf die Grundmauer gestellt, hat so einiges an gut und schlecht, manch einen Bewohner und viele Gäste groß und klein im Laufe seines sicher bewegten Daseins gesehen.

Schon laaaaange her…

Ende 2019 habe ich das seit mittlerweile 20 Jahren leerstehende „Im Seut’n Loch“ gekauft. („Im süßen Loch“), der Name kommt aus uralter Zeit, als hier neben Wohnhaus und Stall auch Kneipe mit Danzeboden und hinterm Tresen Kindersüßigkeiten sowie Bier und Schnappes, und im oberen Stallgebäude Tanz und Freude verkauft wurde.

Direkt vom Vagabundendasein im Pferde-Wohnwagen-Anhänger bin ich in das desolat dastehende Gemäuer eingezogen; Heizung, Wasserhahn, zuverlässiger Strom waren schlichtweg nicht vorhanden, der Heizöltank leer, die Wasser- und Heizungsrohre allesamt kaputt gefroren, Heizkörper fehlten, Türen ebenso, die alten Stiegen im Haus waren teils nur noch Gerüste aus Brett und Balken.

Mit viel Werkzeug, guter Dinge, einigen neuen Bauteilen und auch dem alt-erlernten Geschick eines gestandenen Handwerkers, der mir nun schon seit fuffzich Jahren innewohnt, konnte ich aus dem alten Gemäuer ein mittlerweile recht lebenswertes Heim schaffen; und nicht zuletzt der kreativen Hand meiner Frau Geli ist einiges an Verschönerungen zu danken.

WLAN und ne Kiste Bier von Nachbars

Aber auch Hilfe aus dem Dorf von hie und da und dort, Zuspruch, Vertrauen, Einbindung ins nachbarschaftliche Leben und die freundliche Gabe einer Kiste Bier beim Einzug an Heiligabend 2019 hat geholfen, das anfänglich Schlimmste zu überstehen. So hat’s Dörfchen mitten im Ortskern keinen Mobilfunkempfang, also für mich auch keine Möglichkeit, Material zu bestellen, oder mal eben jemanden anzurufen, wenn’s nicht weiter geht.

Durch WLAN aus der Nachbarschaft und dem immer währenden guten Zuspruch hat dieses Dilemma nur minimale Auswirkungen auf das Vertrauen im Bezug neuer – alter Mauern nehmen können 🙂

Geschafft, Danke!

„Ohne Bagger und Abbruchhammer geht hier gar nix“

Putz, Tapete, Laminat, Rohre, Brenner für Heizung, gebrauchte Heizkörper, so manche Schraube, viele Sägeschnitte und unendlich viele Beulen durch geringe Raumhöhe. Dann der Stall, ein Tohuwabohu aus alten Gemäuern, Tränken für Schwein, Rind und Ziege, Jauchegrube, Miste und jeder Menge Ammoniak. Hier war brutale Gewalt angesagt…

Auch außen gab es einiges zu tun, und bei solch einem alten Haus gibt es ja bekanntlich auch nie ein Ende: Zuerst die Miste und den alten Zaun sowie die Güllegrube entfernen, dann Pflastern und zum Schluß ein Bäumchen gepflanzt. Der Amber Baum.

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