17. Erkenntnisse

Nimm es an

Keiner der Anrufer hatte wissen können, wo Tasko und ich uns befanden, als sie die Nachrichten auf die Mailbox sprachen. Keiner der Anrufer konnte wissen, dass ich auf einem Selbstfindungsweg in Spanien war.

Nie wieder ging ich zurück nach Spanien, träumte zwar noch oft von Kundjana, ging aber auch nie mehr zurück nach Australien.

Sylvie und ich zogen uns in der Auvergne in ein kleines Haus zurück, das ihren Eltern gehörte.

Wir eröffneten ein kleines Cafe mit dem Namen „Cafe Camino“, das Cafe am Weg.

Einige Jahre später wurden uns zwei Kinder geboren. Den beiden Jungs ist dieses Buch gewidmet.

In Bezug auf das ewige Suchen und die Unentschlossenheit habe ich, Carlo der Pilger viel gelernt. Von heute an richte ich mich nach meinen inneren Werten.

Die Erkenntnisse aus Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen und insbesondere die Erfahrungen eines Abenteuers wie der Camino de Santiago sind eine große Hilfe. Es ist von unschätzbarem Wert, gefühlte und erlebte Energien immer wieder mit in den Denkens- und Entscheidungsprozess einbeziehen zu können.

Negative oder positive, fremd suggerierte oder eigene, intuitive oder lang geplante Energieströme sind von immenser Wichtigkeit in der Bewertung der eigenen Person, der Mitmenschen und der zu treffenden Entscheidung.

Unsere Seele oder das „Innere Selbst“ trifft eigentlich immer die richtigen Entscheidungen, so wie bei mir, den Weg einfach, intuitiv und spontan anzugehen. Die Beachtung der für mehrere Monate auf mich einwirkenden Zeichen hat meinen Bezug zu meinen Depressionen und Ängsten verändert und mich sicher vor dem Verderb der Sinne gerettet.

Der Weg zum Selbst kann die ewige Flucht, die endlose Suche beenden. Alles was dazu gehört, ist, sich selbst zu erkennen.

Der Weg zum Selbst setzt Energien frei, die mit keinem Geld der Welt zu bezahlen sind. Die alles umfassende Energie der Liebe, nicht des Besitztums, welches ich immer mit Liebe verwechselte. Liebe. Anerkennung und Loslassen, Geben und nehmen, sein und sein lassen.

Der Gedanke, dass wir, Menschen und Tiere über hunderte, vielleicht tausende Kilometer miteinander kommunizieren können, war schon immer faszinierend. Das dies allerdings auch ohne Technik, ohne Kabel und Satelliten, ohne Handy oder Email funktioniert, ist mir und uns allen doch eigentlich nichts Neues. Wir haben nur verlernt, diese Fähigkeiten zu nutzen. Aber es ist ja bekanntlich nie zu spät, etwas wieder zu erlernen.

Der Weg zum Selbst führt in einen Austausch von Energien, Gedanken und zu der Liebe auf höherer, vielleicht höchster Ebene.

Die Tragödien und Erlebnisse, die familiären oder freundschaftlichen Begegnungen, die guten und schlechten Taten die während eines Lebensweges heute, morgen oder in der Zukunft sich abspielen werden, sind lösbar und verständlich.

Ob bei mir oder in irgendeiner Familie. Dramen sind nicht ultimativ zu eliminieren – was wäre die Welt ohne Spannung und aufregende Ereignisse?

Die Erkenntnis allein, im eigenen Leben Dinge, die die Sicht, das Handeln, die persönliche Freiheit der Gedanken einschränken, wieder aufleben zu lassen, um diese dann ein für allemal aus der dunklen Seite der Gehirnzellen ins rechte, verstehende Licht zu rücken, ist es wert, wirklich in sich zu gehen, zu hinterfragen.

Der Weg zum Selbst zeigt den Lebensweg, den Pfad durch den Alltag. Er gibt uns Zeichen, begleitet die Sinne auf der Erkundung der tiefsten Ebenen der eigenen Person, der Seele und des Lebens an sich.

Es gibt keine dunklen Seiten mehr in der Vergangenheit, es sei denn, wir sträuben uns, den Weg zu gehen. Wenn wir die Schatten auf unserer Seele belassen wollen, dürfen wir uns nicht über Unzulänglichkeiten im Leben wundern. Dann bleiben wir fest eingemauert in die alten Strukturen auferlegter Reglements urzeitlicher Verhaltensweisen.

Und wenn alles wahr ist, was Spiritualität und Universum, Technik und Glaube, Vertrauen und Liebe uns lehren, dann werden wir die Aufgaben des Lebens lösen müssen und auch können. Wir werden uns abfinden mit Schicksal, Fügung und vermeintlichen Zufällen.

Schon in diesem Leben, um nicht im nächsten an der gleichen Aufgabenstellung zu kapitulieren. Wir müssen den Weg gehen, um nicht die gleichen Probleme in einer anderen Hülle, einem anderen Körper wieder zu finden.

Der Weg zum Selbst ist der Weg, der überall gegangen werden kann. Er fängt in der momentanen Situation an und führt zum wahren Leben.

Mein kleines, geliebtes Fürstentum inmitten Deutschlands, ist der Ort meiner Wurzeln. Der Ort den ich so lange Jahre gesucht habe, indem ich die ganze Welt bereiste, die Länder und die Meere durchstreifte. Dieses kleine Fürstentum ist der Ort, an dem sich alle Fragen lösen sollten, wo alle Fäden des Lebens zusammen führen, wo die Ursprünge zu finden sind. Dieser Ort, die Heimat nämlich, ist es, was die Schamanin mir als die Wurzeln des Ursprungs meiner Seele beschrieb.

Ich konnte nicht glücklich werden in fernen Ländern, denn ich hatte noch etwas zu klären: Wer bin ich und welches sind die Aufgaben die ich zu erfüllen habe?

Ich glaube die Antwort gefunden zu haben, werde sicher wieder in ferne Länder reisen, doch meine Heimat wird meine Heimat bleiben. Und ich werde nicht mehr suchen, denn ich habe gefunden.

Die Liebe anzuerkennen, die Familie, Freundschaft und Menschlichkeit bedeutet.

Danke, Camino de Santiago. Du hast mein Leben verändert.

Was war, Was ist und Was wird sein.

Carlo, Peregrino con Perro

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