11. Gestank der Gossenbrüder

Hell und Dunkel

Den schönen Morgen genossen die beiden in einem Straßencafe zusammen mit Tufi, Anita und Pascal, bei Kaffee und Brötchen. Nach ausgiebigem Frühstück, langen Gesprächen und freundlichen Floskeln ging man getrennter Wege, zuversichtlich, sich in den kommenden Tagen wieder zu begegnen. Carlo war frohen Mutes, die Gedanken der letzten Nacht an Familienprobleme und menschliche Tragödien machten ihm vorerst nicht mehr zu schaffen, der Sonnenschein und die Schönheit der Region außerhalb der Stadtmauern brachten Lebensfreude und stärkten den Willen, weiter zu gehen.

Sie waren bereits einige Kilometer gelaufen, als Tasko sich plötzlich und ohne ersichtlichen Grund in einer bis zum Rand mit Tierkadavern gefüllten stinkenden Erdgrube wälzte. Hier war der Spaß vorbei. Seit einer Weile schon lag der süßliche Verwesungsduft in der Luft, Carlo konnte sich aber nicht erklären wo er herkam. Diese Frage war dank Tasko nun gelöst, was Carlo nicht gerade imponierte.

Tasko, fröhlich auf ihn zulaufend, das Gerippe eines Karnickels oder ähnlichem, halb verwesten Tieres im Maul tragend, stank. „Aus Tasko, aus“, rief er seinem vierbeinigen Freund zu, „schmeiß das Vieh weg.“  Der gehorchte aufs Wort, war seine empfindliche Nase des Miefs schon überdrüssig?

Er kam zu Carlo gelaufen und strich ihm am Bein entlang. Ohne zu überlegen, streichelte Carlo dem Schwarzen übers Fell, bemerkte sofort den Fehler. Der Gestank war atemraubend, drang in alle Poren, trug sich über Meilen im Wind.

„Und ich fasse mitten hinein. Jetzt stinke ich auch. Was eigentlich nicht schlimm ist, wäre da nicht das Problem des Wassermangels auf die kommenden fünfzehn Kilometer. Tasko, das ist echt nicht die feine Art, mich so reinzulegen.“ Er lachte. Dann wusch er seine Hände mit Shampoo und dem wenigen Wasser aus den Trinkflaschen, bekam den Gestank aber nicht im Geringsten los. Auch Tasko erhielt eine knappe Dusche, mit einem einzigen Liter Wasser war aber nichts anzurichten.

Sich fürchterlich aufregend, beschimpfte er nun den Hund, verfiel wieder in die alten Strukturen, fluchte, verwünschte die Welt um seines Elends willen. Er dachte nicht daran, dass es einfach nur eine Fügung der Natur war, dass Hunde sich gern instinktiv in Etwas wälzten. Wieder betrachtete er den Moment als eine persönliche Strafe, brachte alles mit den Gedanken vom Vortag über Sven und seine Familie und anderes mehr zusammen, verfluchte sich und sein ach so schlimmes Leben zum hunderttausendsten Male. Er fluchte noch eine Weile, während sie weiter liefen und er an Nadja denken musste.

„Kein Wunder, dass es dir schlecht geht“, gab Nadja immer dann zu verstehen, wenn sie Carlo in solchem Zustand sah. „Du machst dich selbst zum Märtyrer, peinigst deine Seele, dein Ego mit Strafen und Bestimmungen, die nicht dir gelten, sondern einfach aus der Zusammenfügung der Begebenheiten kommen.“ Auch sie hätte mit ihrem Hund geschimpft, ihn ermahnt, so was nicht wieder zu tun, aber sie würde es als gegeben akzeptieren, nicht als Strafe gegen sich selbst, den Hund oder irgendwen auf der ganzen Welt ansehen.

„Ich habe wohl noch immer viel zu lernen“, entschuldigte er sich bei Tasko, der ihn völlig unbeteiligt anschaute, nicht verstand, was denn nun wieder falsch gelaufen sei. Sie marschierten strammen Schrittes weiter, während Carlo auf einen baldigen See oder Fluss hoffte, wobei er sich aber ziemlich sicher war, dass die nächste Gelegenheit, diesen bestialischen Gestank sowohl bei Tasko als auch bei sich loszuwerden, noch eine lange Weile dauern würde.

Kaum waren die beiden wieder im Trott des Wanderns, kam von hinten ein fröhliches „Hallo Carlo, he Tasko, schön euch zu sehen, wie geht’s heute mit den Füßen?“ Carlo drehte sich erschrocken um, wusste insgeheim schon, wer ihn da von hinten einholte, verfluchte erneut den Tag. So sollte sie ihn nun wirklich nicht sehen. „Hallo Sylvie, meine Füße sind besser, Tasko allerdings stinkt zur Hölle, hat sich im Dreck gewälzt, fasse ihn bitte nicht an.“

Sylvie hingegen kam kaum umhin, sich über die beiden stinkenden Wegelagerer zu amüsieren und ein paar freundliche Scherze anzubringen.

„Die Gossenbrüder sind Wahrhaftigkeit geworden“, ging es ihm durch den Kopf. Gleichzeitig bedauerte sie mit einem kecken Lächeln, dass nun keine Umarmung möglich sei, der Begrüßungskuss blieb ein frommer Wunsch beiderseits. Sie war wieder einmal in Eile, blieb nur kurz auf ein paar Worte, erklärte ihre paar Tage Verspätung mit einer Auszeit in einem Hotel aufgrund von einer Entzündung im linken Fuß und lief schon bald weiter.

Schon bald waren die beiden Stinker wieder allein. Tasko schnupperte unentwegt an sich selbst, war irritiert vom eigenen Gestank, wälzte sich auf den Feldwegen im Sand. „Das nutzt gar nichts, Kollege. Und wenn ich nicht selbst so stinken würde, wäre dir die Schande ja zu gönnen, in solch ein Loch zu springen.“ Tasko schaute ihn unschuldig an, schüttelte sich abermals und ging wieder auf Erkundung der Gegend. Während die beiden so liefen, kamen einige Touristen entgegen, die mit Bedauern auf Carlos desolaten Zustand hin die Nasen rümpften, Tasko dagegen bemitleideten.

Eine Frau mittleren Alters strich Tasko entgegen Carlos Warnung über das Fell. Sie schien nicht gerade entzückt über die soeben gemachte Erfahrung. „Noch sechs Kilometer bis zum nächsten Ort, da gibt’s dann Wasser“ sagte ihr Partner etwas gehässig, nachdem sie sich bitterlich bei ihm beschwerte, wie sehr sie doch nun nach diesem stinkenden Köter rieche. „Seltsam, wie schnell man von einem lieben Hundchen zu einem stinkenden Köter degradiert werden kann, nur weil man einmal nicht das rechte Eau de Toilette trägt, was Tasko?“ krümmte sich Carlo vor Lachen, als die Gruppe lästernd weiter ging.

„Hunde können hier nicht hinein“ war die unfreundliche Begrüßung in der nächsten Herberge in der er sich und seinen Begleiter ausgiebig waschen wollte. „Binde ihn auf der anderen Straßenseite an, dann kannst du ein Bett haben“ Er verneinte.

„Ich will noch eine Zeitlang laufen, es ist noch zu früh zum rasten, möchte nur meine Hände waschen und meinen Hund abspülen, er hat sich in einem Dreckloch eingesuhlt.“ Hände waschen kannst du gern, aber der Hund ist nicht erlaubt“, war die unfreundliche Entgegnung. „Danke, wo mein Hund nicht willkommen ist, bin ich es auch nicht.“

Carlo suchte nach seinem Pilgerbuch, wollte sich, wie in jeder Stadt, einen Stempel geben lassen, konnte jedoch das Büchlein nicht finden. Verzweifelt packte er den Rucksack aus, ohne Erfolg. Resignierend zog er sich ohne Stempel zurück, ging weiter. Nach einem kurzen Fußmarsch kam er endlich an einem Fluss an, wo er  zunächst Tasko mit Shampoo wusch, dann sich selbst auf die gleiche Weise desinfizierte. Nach einer Stunde schrubben und putzen war der Gestank einigermaßen verflogen; er stellte erneut den kompletten Rucksack auf den Kopf, all seine Habe lag um ihn verstreut aber das Pilgerheft war nicht zu finden. In einem letzten Anflug, mehr in Verzweiflung als Hoffnung, durchwühlte er noch einmal alle Taschen, Beutel und Unterlagen, durchsuchte T-Shirts, Hosen, Hemd und Jacke.

„Das Pilgerheft ist einfach nicht mehr da, was habe ich nun schon wieder verbrochen, dass es mir so schlecht ergehen muss?“ fragte er sich im erneut schnell aufgekommenen Selbstmitleid.

„Wenn das Heft weg ist, kann ich gleich aufgeben, werd gar nicht erst weiter laufen. Dann ist dieser Weg hier schon zu Ende.“ Er seufzte. Tasko kam aus dem Fluss gelaufen, stellte sich vor ihn und über die herumliegenden Sachen und schüttelte sich ausgiebig. Bevor Carlo ihn abhalten konnte, war alles triefend nass.

„Tasko! Bist du verrückt geworden?“ schrie er seinen Hund an, der wieder einmal den Prellbock für sein eigenes Versagen, für schlechte Laune und des Herrchens Wut darstellte. Noch lange blieb er in seiner nutzlosen Verzweiflung sitzen, schwelgte in Leid, verfluchte die Welt und den Fluss, den Bauern, der die Jauchegrube offen liegen ließ, verwünschte die Spanier und ihre Abneigung gegen Hunde, verwünschte den Camino, verwünschte sich selbst.

Es ging ihm nicht schlecht. Noch immer saß er in selbstmitleidigen Gedanken am Ufer des schönen, rauschenden Flusses und jammerte. Er knabberte trotzig den guten, geräucherten Schinken, schlürfte ärgerlich das kristallklare Wasser aus dem Brunnen, den er kurz vorher noch passiert hatte, kaute genervt an dem frisch gebackenen Baguette und spießte mit seinem teuren Jagdmesser fluchend die knackfrischen Oliven auf, die in einer Kräuterlake eingelegt, ihn ständig nervend, immer wieder von der Klinge hüpften. Zu allem Überfluss ließ er sich die teuren, eingelegten Sardinenfilets auf der permanent sein ach so schlimmes Leid als ewige Litanei predigenden Zunge zergehen.

Kurzum: Er aß sein Mahl in konzentrierter Wut, gab Tasko eine Dose reichhaltiges Hundefutter, war wieder in seinem Element, der Misere.

Wie er so dasaß, in seinem selbsterfundenen Elend, kam ein Bettler am Fluss entlang gewandert, nur mit Lumpen bekleidet, ohne Schuhe, ohne Wasserflasche, ohne Hut. Alles was der Alte bei sich trug, war ein Stock und ein Plastikbeutel.

Und er kam zu Carlo, grüßte, und streichelte dessen Hund.

Und er gab Tasko ein Stück Speck aus seinem ärmlichen Beutel.

Und er wünschte beiden einen wundervollen Tag und ein langes Leben.

Und er sagte „Buen Camino“ und ging seines Weges.

Carlo saß da und glaubte seinen Ohren nicht, weniger noch seinen Augen. Hier war er in seiner selbst auferlegten Misere und jammerte bitterlich, als dieser einfache Mensch – war es wieder einer seiner Dämonen? Oder ein Engel – kam, und sich von der erdenklich gütigsten Seite zeigte.

Der Bettler, der Gossenbruder, der doch eigentlich von Carlo etwas hätte erwarten können, zeigte Carlo dessen eigene Armut in Vollendung.

Allein die stolze Jakobsmuschel an seinem Rucksack trieb ihm jetzt die Scham ins Gesicht, ließ ihn erschauern über seine eigene Großkotzigkeit, erweckte Ekel über sich selbst in ihm. Carlo stutzte, dachte über die Begegnung nach, schämte sich.

„Du willst ein Pilger im Namen des Herrn sein, Herr Carlo? Du willst richten über Gut und Böse? Du willst die Jenen verdammen, die Fehler machen? Was bin ich nur für ein verdammt kleines, mieses Arschloch. In meiner selbstherrlichen Großartigkeit sitze ich hier, verfluche alles und jeden, mache die Welt schuldig für mein selbstverschuldetes Elend, was wieder einmal keines ist. Wie arm bin ich wirklich und wie reich ist der Alte dort?“ waren seine leisen Worte, die nur von seinem Schluchzen und einer weiteren Heulphase übertönt wurden.

Kundjana kam zu ihm. Er saß auf diesem Baumstamm am Fluss und sinnierte über das Leben, stocherte mit einem Stock in der Glut des langsam erlöschenden Feuers. Die Nacht war kalt gewesen, er hatte schon alles zusammen gepackt und wollte eigentlich weiter fahren, aber irgendwas hielt ihn zurück. Irgendwas war hier noch zu erledigen, da lag noch etwas in der Luft. Der Aborigine setzte sich neben Carlo und fragte, warum er nicht weiter ziehe.

„Was machst du noch hier, Jack, warum fährst du nicht weiter?“ „Du wolltest mir noch eine Geschichte erzählen, Kundjana, vielleicht ist es das. Ich habe das Gefühl, da ist noch etwas offen zwischen uns?“

„Woran hast du heut Nacht gedacht, was ist in deiner Spirit, Jack?“ „An meine Familie, an mein Leid, dass ich mich nicht von ihnen lösen kann, dass ich nicht von dem Druck loskomme. Aber das verstehst du sicher nicht, mein Freund.“

„Ich verstehe sehr gut und ich werde dir die Geschichte vom Zeigeknochen erzählen. Eins musst du mir aber versprechen, Jack.“

„Alles, wenn du mir nur sagst, wie ich aus diesem Versagerdenken heraus komme.“

„Es ist ein Mythos der Bama und kein Weißer darf davon wissen.“ „Warum willst du es mir dann erzählen?“ „Weil ich sehe wie du leidest und ich will dir helfen. Als dein Freund.“

„Der Zeigeknochen ist ein wertvolles Werkzeug, um dich von deinem Peiniger zu befreien, auch ohne ihn zu töten.“ „Was willst du mir denn jetzt für einen Spuk aufbinden, Kundjana“, fragte Carlo aber beiden war nicht zu Scherzen zumute und Carlo wusste, dass Kundjana nie ein Ritual seiner Vorfahren, Spirits oder der Songlines verulken würde.

Kundjana erzählte ihm die Geschichte in allen Einzelheiten, danach erhoben sie sich und Kundjana ging seines Weges, Carlo fuhr in seinem Landcruiser in eine andere Richtung. Kundjana hatte ihm eine schwere Last aufgebürdet. Wenn er die Pein loswerden wollte, würde er dieses Ritual begehen müssen, wenn er es nicht tat, müsste er sein Leben lang weiter unter der Depression, ein Versager zu sein, leiden.

Er schüttelte die Gedanken ab, löste sich von dem Traum und als er wieder bei Sinnen war, packte er zügig seine Sachen, nahm Tasko an die Leine und ging weiter. Schnell wollte er aus dieser Stadt, es drang ihn wieder in die Felder, zurück zur Natur.

Schon nach einer Stunde kam er in ein Erholungsgebiet mit schön angelegtem See, an dem auf großen Schrifttafeln zu Entspannung, vielfältigem Wassersport und einem, in dieser Woche stattfindenden Angelwettbewerb eingeladen wurde. Reger Betrieb bei schönstem Sonnenschein versammelte einige hundert Menschen in diesem schönen, reich bewachsenen und modern angelegten Fleckchen Erde und alle waren emsig damit beschäftigt, Angelruten zu bestücken, gefangene Fische auszunehmen oder einfach nur dem regen Treiben zuzuschauen.

Mittlerweile war Carlo wieder guten Mutes, hatte die Zwischenfälle am See vergessen und den Gedanken an das Ritual verdrängt. Er konnte das nicht tun. Noch nicht.

Tasko, gar nicht faul, sah die fliegenden Köder und sprang auch schon ins Wasser. Es dauerte nur Sekunden, bis sich die ersten Schnüre hoffnungslos ineinander verknoteten. Ein Junge musste den soeben gefangenen, noch an der Leine zappelnden, dicken Karpfen wieder freilassen, sein erboster Vater schnitt die verknotete Leine durch.

Rufend kam der Schiedsrichter mit erhobener Hand auf Carlo zugerannt, schimpfte und drohte. „Den Hund aus dem Wasser, sofort! Den Hund aus dem Wasser“ Carlo rief Tasko, ohne Erfolg. Der war selbst in dem Knäuel von Angelleinen so verstrickt, dass er zu ertrinken drohte.

Strauchelnd und winselnd versuchte er sich aus dem Knäuel zu befreien, was ihn nur weiter und tiefer in das Gezerre verstrickte, ihn zusammen mit dem halbtoten Karpfen in die Tiefe zu reißen drohte. Von allen Seiten rissen die Angler mit ihren Ruten an dem völlig verwirrten Hund, machten sich einen Spaß daraus, das Tier leiden zu sehen. Sie lachten und grölten, Kommentare wie ‚dicker Fisch’ und ‚wahre Angelfreuden’ kamen aus aller Munde. Der um sich strampelnde Tasko biss und schnappte in alle Richtungen, wollte sich gegen die fiesen Krallen aus der Tiefe wehren.

Carlo ließ das Geschehen keine Wahl. Seinen Rucksack abwerfend, schnappte er sich zuerst das Jagdmesser, das schnell griffbereit in der obersten Klappe hinter einem Reißverschluss verborgen war und sprang mitsamt Wanderstiefeln, Hose und T-Shirt in den See um seinen Hund zu retten. Noch in der Luft fiel ihm ein, seine Geldbörse in der Hosentasche zu haben, die nun mit schwimmen ging. Egal. Nach fünf Minütigem Kampf war die Schlacht beendet und die beiden konnten sich ans Ufer retten. Die erbosten Angler hätten Tasko glatt absaufen lassen und ließen es Carlo in aller Boshaftigkeit spüren.

Eine Geldstrafe von zwanzig Euro, eine Verwarnung über den Hund, der, laut Vater des Jungen „erschossen gehörte“. Weitere fünfzehn Euro für die zerschnittenen Leinen und die versunkenen Angelhaken, Köder und die Aufregung waren die vom Polizisten auferlegte Strafe. Schuhe und Kleidung waren platschnass, daher war erst einmal Pause angesagt. Er schulterte seinen Rucksack, nahm Tasko erstaunlich ruhig an die Leine und ging, sich noch einmal entschuldigend, entlang seines Weges. Nach halber Seeumrundung fing er an zu lachen, lachte sich den Schreck und den Frust der letzten zwei Tage von Leib und Seele.

„Hast du die Angler gesehen, wie sie geglotzt haben?“ Tasko war nicht zum Lachen zumute, er trottete neben Herrchen her wie ein übergossener Pudel, was er in dem Sinne ja auch war, schüttelte sich immer und immer wieder, was als Zeichen der Unterwerfung galt. Er hatte die Nase gestrichen voll.  

Die Haut an Carlos Füßen in den nassen Schuhen war schon nach wenigen hundert Metern durchgescheuert, die ersten Blasen machten sich bemerkbar. „Ich war froh die Schwielen endlich los zu sein. Egal. Hier sind wir weit genug von den Anglern, Pause“, sagte er zu Tasko, der noch immer ganz verdattert aus seinem Fell blickte. Er hob die Lefze, legte den Kopf zur Seite, schaute sein Herrchen von unten herauf an und schüttelte sich ausgiebig. „Das wird dir hoffentlich endlich eine Lehre sein, nicht immer hinter Allem und Jedem hinterher zu laufen“, motzte Carlo und dachte umgehend an seine eigene Art, auf alles und jedes, auf jeden hübschen Rock, auf jedwede gute oder schlechte Bemerkung eines jeden Menschen zu reagieren, nichts ungesagt zu lassen, sich überall einzumischen.

Erneut wurde ihm sein Verhalten bewusst; er verstand plötzlich warum ihn so viele Menschen als arrogant bezeichneten. Er sah sich immer und überall als beobachtet, konnte keinen einzigen Schritt setzen, ohne nachzugrübeln, was Andere über ihn denken, urteilen mochten.

Er war nicht arrogant. Doch aufgrund seiner Zurückhaltung und die Angst, etwas Falsches von sich zu geben, war er über die Zeit zu einem Alleingänger geworden. Immer ängstlich bedacht, niemandem auf den Fuß zu treten. Je mehr er sich zurückzog, desto weniger konnte es geschehen. „Wieder einen Auslöser meiner Lebensmiseren entdeckt, Tasko. Noch nicht geheilt, aber zumindest beleuchtet“. Er legte den Rucksack ins Gras, zog sich die Stiefel aus und legte sich auf die Isomatte.

„Tasko bringt deine eigene, innere Einstellung nach außen“, hatte Josephine, die Schamanin damals an der Ostsee gesagt. „Du bist ein Choleriker und der Hund übernimmt deine Gedanken, deine Gefühle und trägt sie aus. So wie du einem Menschen gegenüber Argwohn zeigst, so wird der Hund schon bevor du selbst deine Abneigungen oder Zuwendung erkennst, diesen freudig anbellen oder böse anknurren. Genau so wie du einem Menschen gegenübertrittst, wird dein Hund ihn entsprechend begrüßen.“

„Und was sagt mir das?“, gab er damals grinsend zurück, als wolle er der Alten keinen Glauben schenken.

„Achte auf deinen Begleiter, wie der reagiert, so ist es in dir. Ändere deine Einstellung zu dir selbst und du wirst merken, dass dein Hund ebenso freundlicher reagiert.“

„Mein Tasko ist immer freundlich“, gab er zurück und wusste dennoch tief in seinem Innern, dass Josephine Recht behalten würde. Es war ihm schon oft aufgefallen, dass sein Freund seine innere Einstellung übernahm und entsprechend reagierte.

Der Beweis, als ob zur Bestätigung geliefert, folgte umgehend. Ein sichtlich erkennbarer Pilger Mitte Vierzig näherte sich in Begleitung eines kleinen Mädchens auf dem Wanderweg. Tasko war bereits schwanzwedelnd auf das Mädchen zugelaufen und ließ sich von ihr streicheln. Die Wanderer begrüßten sich freundlich, redeten kurz in Englisch, dann gingen Mann und Tochter ihrer Wege, während Carlo sich auf eine lange Siesta zum Trocknen der Schuhe vorbereitete.

Im selben Moment, er wollte sich soeben wieder hinlegen, kam ein Parkaufseher auf ihn zu. Carlo wollte es nicht glauben, grollte vor sich hin und rechnete mit einem erneuten Verweis nach der Schmach bei den Anglern. Tasko jagte umgehend auf ihn los, bellte und knurrte ihn unverhohlen an. Carlo rief seinen Hund zurück, begrüßte den Mann gestellt freundlich und wunderte sich nicht, als dieser ihn, freundlich aber bestimmt, darauf hinwies, dass er hier nicht liegen dürfe.

„Das darf einfach nicht wahr sein“ entgegnete Carlo gereizt.

„Gehen sie nur dreihundert Meter weiter am Weg entlang, dort ist ein ruhiges Fleckchen am Wasser, auf dem sie es sich gemütlich machen können. Hier kommen gleich die Parkgärtner zum Rasen mähen und Wege reinigen, dann wird es recht ungemütlich“, entgegnete er nun freundlich lächelnd.

Carlo nahm den Rat akzeptierend an, packte und verdrückte sich innerlich fluchend. Er besann sich und reflektierte.

„Meine Gedanken, dass der Parkwächter uns verjagen würde, hat Tasko direkt übernommen und ausgeführt. Der Wächter war aber nicht unfreundlich, ich war es, der gestresst reagierte. Bei den anderen Wanderern war nichts zu befürchten, also war ich freundlich. Josephine lag wieder einmal richtig, ich muss meine Einstellung bald ändern, zumal ich die Umstände ja eigentlich kenne. Aber erkennen und wirklich ändern sind zwei Paar Schuhe, was Tasko?“

Den restlichen Teil des Tagesabschnittes waren die beiden, nachdem die Stiefel einigermaßen trocken waren, schnell weiter gegangen. Die kommenden nahezu zwanzig Kilometer machten Carlo bei der langsamen und bedächtigen Gangart keine Probleme, inspirierten ihn zu weiteren Gedanken über Armut und Reichtum, Gut und Böse, Hell und Dunkel.

„Der Spalt zwischen Arm und Reich und Gut und Böse“, rann es durch seine Gedanken, „wird ewig bestehen, die Evolution wird immer dafür sorgen, dass Menschen in unterschiedlichsten Verhältnissen leben.“ Schon oft hatte er mit verschiedensten Menschen über die Evolution diskutiert und philosophiert. Mit Jenen, die an die Gleichheit der Geschöpfe glaubten, unterhielt er sich über die allmächtig werdende Güte der Menschheit. Er selbst war meist derjenige, der diese Meinungen nicht vertreten konnte, es nicht wollte, denn es entsprach nicht seinem Negativbild des Lebens.

„Immer wird es Menschen geben, die den anderen etwas neiden, und wenn es am Ende das Trinkwasser zum Überleben ist. Kein Mensch stirbt für einen anderen, nur aus Gleichheit, das steht schon in der Bibel so geschrieben“ waren seine Worte, die Menschen wie Nadja oder Josephine nicht vertreten konnten. Sie glaubten an das Gute im Menschen und wussten innerlich, dass die Welt sich eines Tages zum wirklich Guten wenden würde.

„Hoffen wir’s“, sprach er jetzt zu Tasko. Meist verliefen diese Diskussionen ohne rechtes Ergebnis. Die von Güte und Gleichheit Überzeugten wandten sich ab von Carlo und seinen Zweifeln, waren in ihrem Glauben vertieft, die Welt würde sich vereinen, es käme irgendwann der ewige Frieden und alle, Mensch wie Tier könnten gemeinsam in ihrem Umfeld ohne Neid, ohne Sucht, ohne Gier nach Mehr und Besserem leben.

„Nichts wünsche ich mir mehr als das, aber glauben kann ich es einfach nicht“, waren dann seine Worte zum Abschluss solcher Diskussionen. Auch jetzt führte er wieder ein trauriges Selbstgespräch. „Ich wünsche mir so sehr, dass die Menschen wieder mehr miteinander reden, dass Kultur sich nicht nur unter reich und mächtig, sondern auch zwischen dir und mir abspielt. Ich werde für die Brunnen in den Dörfern beten und die Kaminabende in meiner Heimat, bei denen Jung und Alt zusammen sitzen und Weisheiten austauschen, die Alten der Jugend ihr immenses Wissen mitteilen, ihr Wissen und die Erfahrungen weitergeben“, verlautete sein laut gedachter Tagtraum, während ein Fuß sich vor den anderen setzte, während Tasko durch Felder und Wiesen streunte, während er dem Weg weiter folgte, wie schon so viele der unzähligen Pilger vor ihm.

„Was ist das mit dem Hell und Dunkel?“ fragte er sich plötzlich und ergänzte: „Hell und Dunkel ist anders als die zwei Gegensätze arm und reich oder gut und böse“. Die Gedanken der Angst vor der Dunkelheit brachten nun auch die Erinnerungen an das Allein sein hervor. Es ging um seine alten Ängste im Dunkel der Nacht, in einem abgeschlossenen Raum ohne Fenster, ohne Lichteinfall. Er erinnerte sich an damals, als sein Bruder ihn in den Keller sperrte. Er war allein. Ohne Licht in diesem Kellergemäuer gefangen. Das war der Anfang einer Alptraumserie die bislang nicht enden wollte.

Er blieb abrupt stehen, dachte nach. Die Angst, die nur dadurch entstanden war, als Kind eine halbe Stunde eingesperrt zu sein, beeinflusste ihn so intensiv, dass er für den Rest seines Lebens von Alpträumen über Dunkelheit und Alleinsein verfolgt sein würde. Bei dem Gedanken an schwarze Räume, abgeschlossen und verriegelt, ohne Tür, ohne Entrinnen, ohne Fluchtweg, bekam er noch immer Beklemmungen. Auch  jetzt wurde ihm bei den Gedanken mulmig, ihm wurde übel. Er musste sich setzen. Tasko kam gelaufen und warf sich ermattet zu Carlos Füßen, schlief augenblicklich ein.

Er dachte an die unzähligen Nächte in der freien Natur, wobei die Gefahr in mancher dieser Nächte oft weitaus größer war, als damals im heimischen Keller. Während er unter dem Baum saß und seine Übelkeit bekämpfte, schweifte er in ferne Länder, dachte an seine Liebe zur Freiheit unter dem unendlichen Himmelszelt. Insgesamt fünfundzwanzig Länder waren es, in denen er die Freiheit der Sternennacht bereits genießen durfte. Das war auch der Grund, warum er nie in diesen überfüllten Schlafsälen nächtigen konnte, während er in der weiten Welt unterwegs war. Zu viele Menschen in einem Raum schnarchten und schwitzten, verbrauchten die Luft zum Atmen. „Nix für uns, was Tasko“, sprach er zu seinem Freund, der träumend und in fernen Wäldern jagend zu seinen Füssen lag.

„Vielleicht sollte ich meinem Bruder, der heute sicher gar nichts mehr davon weiß, dass er mir diese Ängste angetan hat, danken“, rief er plötzlich aus. Tasko wachte auf, blickte ihn müde an. „Danken für die Freiheit, die Ungebundenheit, die Liebe zu meiner Grenzenlosigkeit. Ja, Tasko, das ist es. Heute brauche ich die Weite, die Ferne, die Uneingeschränktheit der Bewegung und die freien Gedanken wie der Sand das Meer, der Mond die Sterne, der Schatten das Licht.“

Josephine sollte auch hier wieder einmal Recht behalten. Er brauchte, wollte kein Geld, keine Reichtümer. Die Energien des Universums, die Liebe zur Natur, die einzige Freiheit der Gedanken und des Seins waren seine Güter, sein ganzer Reichtum dieser Welt, seiner eigenen, freien Welt. „Danke Brüderchen, ich danke dir. Das mit dem zeigenden Knochen sparen wir uns vorerst auf.“ Mit einem hämischen Grinsen, es war bereits vier Uhr nachmittags, stand er auf, griff den Rucksack und marschierte weiter.

Schon bald kam ein Kirchturm in Sichtweite, sie marschierten etwas schneller. Es war heiß und er wollte nichts lieber, als nach diesen, zwar lehrreichen, aber zuerst doch recht negativen Erlebnissen, in einer Herberge duschen und sich ausruhen. Vielleicht ein Glas Wein zum Abendbrot, eine Pilgermesse besuchen und ruhig im Zelt oder  einem Klostergemäuer schlafen. Tasko strich seit geraumer Zeit immer näher und intensiver um seine Beine, was Carlo zum einen wieder die Schmerzen in dessen Pfoten und zum anderen die sinkende Lust auf Weiterlaufen bestätigte.

Die Herberge sah freundlich aus, Tasko draußen im Hof angebunden, ging er guter Dinge hinein und fragte nach einer Möglichkeit der Übernachtung für zwei Tage. Freundlich begrüßte ihn ein junger Mann. „Da ist noch Platz, aber mit Hund… Du kennst das sicher schon. Geh noch fünfhundert Meter weiter, da findest du linksseitig einen Campingplatz. Dort bekommst du einen ruhigen Platz, eine heiße Dusche und die Möglichkeit, mit deinem Hund zu bleiben“, sagte der junge Herbergsvater. Carlo bedankte sich, nahm Tasko angeleint zur Seite und lief in die Richtung wie gewiesen. Endlich, allerdings erst nach zwei Kilometern fand er den Campingplatz, der nicht mehr als eine alte Wiese hergab, auf der kaum ein Zelt und nur einige alte, verrottete Wohnwagen anzufinden waren. Die Gebäude erinnerten eher an Baracken. „Der Swimmingpool war wohl zuletzt vor dreihundert Jahren mit Wasser gefüllt“ dachte er säuerlich und ärgerte sich sofort über diesen Gedanken, da er auf dem Weg der einfachen Menschen wohl keinen Luxus erwarten konnte, und diesen eigentlich ja auch gar nicht wollte.

Seine über den Tag angesammelten, negativen Energien wurden hier umgehend erwidert. „Buenas Dias“ begrüßte er versucht freundlich die Frau mittleren Alters, die die beiden Pilger in Empfang nahm. Beide von oben bis unten musternd sagte sie frech in gebrochenem Deutsch: „Wir haben keinen Platz mehr, sind ausgebucht. Tut mir leid. Buen Camino.“ Carlo, einem Nervenzusammenbruch nahe, zischte unfreundlich zurück. „Ausgebucht? Es ist doch kein Mensch hier.“ „Es tut mir leid, versuchen sie es in der Pilgerherberge im Ort, wenn sie es sich leisten können“

Carlo traute seinen Ohren nicht, drehte sich wütend auf dem Absatz um und marschierte los. Den armen, erschöpften und nicht verstehenden Hund im Schlepptau der strammen Leine stapfte er in straffem Tempo zurück zum Ort. Zwei Kilometer stand auf einem verrosteten, von Gewehrkugeln durchlöcherten Blechschild am Straßenrand. „Ich weiß“ brüllte er in die Hitze des Spätnachmittags.

Die Abendsonne machte nicht nur Tasko zu schaffen. Im Ort angekommen, wollte er eigentlich gleich zurück in die Herberge und dem unverschämten Kerl, der ihn zu dem Campingplatz schickte, eine reinhauen, überlegte es sich aber in letzter Minute noch anders und hielt an einer schattigen Parkbank, die unter einer Reihe von Kastanienbäumen stand.

Er legte in betonter Langsamkeit seinen Rucksack ab, nahm Taskos Napf aus dem Rucksack, gab zuerst seinem Hund reichlich Wasser und erquickte sich danach selbst am Brunnen. Das erfrischende Nass ließ er sich über Kopf, Nacken und Schultern laufen und legte sich anschließend längs auf die Parkbank am Brunnen. Tasko leinte er zusammen mit dem Rucksack an die Bank.

Erst ein heftiges Rütteln seines Armes weckte ihn. Er hatte jedes Zeitgefühl verloren, war in seinem Traum wieder einmal Kundjana, seinem alten Aboriginalfreund in Australien begegnet. Der warnte ihn erneut vor Feindseligkeit und Fremdlingen, die ihm Böses wollten, verwies abermals auf die Augen des Adlers und die Schläue des Dingo. Er würde seinen Weg finden, solle auf die List seiner Seelenbegleiter achten und der Regenbogenschlange vertrauen, die die rechten Wege kenne.

„Wer ist das und warum meldet sich Tasko nicht? Bitte kein Parkwärter, sonst dreh ich durch“ dachte Carlo, bevor er die Augen öffnete. „Hallo Carlo, wir sind auch gerade angekommen“ grüßte ihn Anita, während Tufi und Tasko sich bereits seelenruhig beschnupperten. „Hm, kein Wunder, dass Tasko nicht anschlägt, bei der rassigen Gesprächspartnerin.“

Anita lachte. „Ja, Tufi ist schon eine besondere Dame. Pascale kauft gerade eine Flasche Wein im Laden.“ Sie setzte sich ins Gras. „Die Menschen in diesem Ort sind irgendwie unfreundlich und auch das Kloster hat so eine mächtige Art, wirkt unheimlich bedrückend. Wir werden ein wenig Wein trinken und dort oben vor dem Kloster übernachten, wo schläfst du heut?“ „Ich weiß es noch nicht, hab einen superschlechten Tag hinter mir. Aber wenn ihr nichts dagegen habt, geselle ich mich gern über Nacht zu euch.“ „Aber sicher, gern.“

An diesem Nachmittag schien im ganzen Ort alles ausverkauft zu sein. Die Bar wollte kein Brot mehr haben, das Bier im Fass sei alle, die Läden schlossen die alten, hölzernen Türen vor den Pilgern ab. Einzig in einem kleinen Kramlädchen erhielten sie zwei Flaschen überteuerten Wein, altes Weißbrot und zwei Büchsen Sardinen. „Dies ist also meine erste Nacht in der Gosse“ redete Carlo im Selbstgespräch, als er seinen Schlafsack auf dem Steinboden vor den verschlossenen Klostertüren ausbreitete. Es roch stark nach Urin, die Mülleimer auf dem Platz quollen über, die ganze Stadt war irgendwie sehr ungepflegt.

„Hier hast du mich vor Monaten, Jahren schon gesehen, Bruder, nicht wahr?“

Nach dem heutigen Tag war es ihm egal, wo er schlief, wohin ihn seine Wege führten. Einer der schlimmsten Tage lag inter ihm, er war mental am Scheitelpunkt angekommen. Alles, jedes Wort, jede Anmerkung, jeder Gedanke mochte zuviel sein, konnte seine Nerven zerreißen lassen. Auch sein Bruder war ihm jetzt egal. Er war allein, arm, in der Gosse und nach jahrelangem Dahinsiechen angekommen, wo er doch irgendwann hin musste. In genau diese Gosse, die sein Bruder ihm verwünscht hatte. Er selbst unternahm schließlich immer alles, um den Wünschen und Moralvorstellungen, den Ideen von Arbeitseifer und Gerechtigkeit seines Bruders Franz zu entsprechen. Auch hier, wie es schien.

Anita und Pascal waren nochmal in den Ort gegangen, Tufi und Tasko blieben angeleint bei Carlo zurück. Er legte sich hin, schloss die Augen, dachte nach. „Aber nein, die Zwei machen das schon seit zwei Jahren so, scheinen überglücklich dabei. Was ist verkehrt an einer Nacht unter dem Torbogen eines Klosters? Schon seit tausend Jahren nutzen die Pilger diese Art von Schutz vor dem Regen, dem unberechenbaren Wetter der Pyrenäen und der Kordilleren. Warum also nicht auch wir.“

Während er so vor sich hin döste, besuchte ihn der alte Freund Kundjana im Tagtraum. Weise sagte ihm der alte Schamane, dass es nicht die Schuld seines Bruders sein könne, wenn der ihm die Gosse nahe legte, sondern einzig seine eigenen Zielsetzungen seien es, die ihn dahin brächten, wo er sich sehe.

„Deine Zukunft ist das was du daraus machst, Carlo“, hatte der alte Freund zu ihm gesagt. Wie richtig er doch lag, wurde Carlo leider erst Jahre später bewusst.

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